Bild: Mascotte/Facebook

Zerstörerisch wie melancholisch

All Them Witches live im Mascotte

All Them Witches sind kein Geheimtipp mehr. In einem ausverkauftem Konzert im Mascotte präsentierte sich das Psychedelic-Rock-Trio vergangenen Samstag von ihrer melancholischen und repetitiv-riffigen Seite. Als Besucher ein Auftritt mit garantierten Entzugserscheinungen am Morgen danach.

Auf ihrer kleinen Europatour von acht Shows besuchte das Psychedelic Rock Trio All Them Witches aus Nashville ebenfalls das Mascotte. Der Zürcher Club bildete die zweite Station ihrer Tournee, allerdings hätte es beinahe nicht geklappt. Durch Komplikationen am Flughafen schaffte es die Band nach dem Auftritt am Hellfest nach 18 Stunden Reise noch knapp in die Schweiz. Das Konzert hat sich im Vorfeld bereits umgesprochen, alle Zeichen scheinen auf einen ausverkauften Saal hinzudeuten.

Süffiger Blues mit John Dear

Den Abend eröffnete das Rock’n’Roll-Duo John Dear aus Lausanne. Schnittiges Schlagzeug, verzerrte Gitarre, mit angekratzter Stimme. Eine passende Wahl für den Support, süffiger Blues mit Ausbrüchen in den Rock’n’Roll. Dazu ein Gitarrensound, bei welchem einer fast Whiskey tränen muss. Eine dreckige Verzerrung, tief und böse, als würde man von einem grosskalibrigen Hund angeknurrt werden. Langsam und sicher ist man eingeheizt.

John Dear im Mascotte
Bild: Mascotte/Facebook

Zerstörerisch wie melancholisch

Der Saal ist rappelvoll. Dazu brütend heiss; man schwitzt, bevor das Konzert angefangen hat. Die Vorfreude und der Durst steigen, auf einmal wird er Saal dunkel und War Pigs von Black Sabbath dröhnt durch die Boxen. Dann betreten die drei Herren unter Applaus die Bühne. Schliesslich erklingt die fuzz-überladene Gitarre. Beissende Verzerrung erfüllt den Saal, das erste Riff von A Funeral for a Great Drunken Bird lässt erste Trommelfelle garen. Der Bass von Michael Parks Jr. setzt magendröhnend ein und zusammen wird ein zerstörerisch melancholisches Riff erschaffen. Mit den peitschenhaften Schläge von Robby Staebler wird erbarmungslos der Nacken in Mitleidenschaft gezogen. Ihr Opener, welcher einem verstorbenem Freund gewidmet ist, eröffnet nicht nur den Konzertabend im Mascotte, sondern auch ihr zweites Album Lightning At The Door. Sehr empfehlenswert.

Langsam und sicher einfahrend

Wummernde Bassläufe fahren langsam aber sicher ein und entfalten mit dem unwiderstehlichem Groove vom Schlagzeug im hitzigen Dunst des Saals eine bewusstseinserweiternde Wirkung, ganz ohne Drogen. Den absoluten Kick geben schlussendlich die himmlisch sphärischen Gitarrenschreie von Ben McLeod, während der heimsuchende Sprechgesang von Michael Parks Jr. die Grundmauern erzittern lässt. Ihre Songs dienen als Grundgerüst, aus welchem All Them Witches immer wieder ausbricht und sich in ekstatischen Jams verliert, um schliesslich wieder zu ihnen zurückzufinden. Was zum Song gehört und wo das Jamen anfängt, ist schwer auszumachen. Die Lieder folgen eher einem natürlichen Fluss, höchst psychedelisch und mitreissend.

All Them Witches im Mascotte
Bild: Mascotte/Facebook

Repetitive Blues-Riff-Maschinerie

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Die noch junge Band kreiert seit 2012 eine süchtigmachende Mischung aus Psychedelic, Blues und Stoner und hat seither fünf Studioalben sowie zwei Live-Scheiben herausgebracht. Seit letztem Herbst hat sich die Band vom Organisten und Geiger Allan Van Cleave verabschieden müssen. Die übrigen Bandmitglieder haben sich daraufhin entschieden, ihn längerfristig nicht zu ersetzen und als Power-Trio weiterzufahren. Die ruhigen und farbgebenden Töne der Retro-Orgel fehlen zwar live nun, allerdings machen Parks, Staebler und McLeod die fehlende Psychedelic-Quelle mit härteren Registern ihrerseits wett. Die Songs werden mit repetitven Bassläufen und hammerhartem Schlagzeug ausgemerzt, während McLeod noch mehr diabolisch bluesige Töne seiner Klampfe entlockt als zu früheren Zeiten.

Meister der Entschleunigung

Während fast 80 Minuten spielt sich das Trio durch ein abwechslungsreiches und nackenschmerzendes Set, geprägt vom neusten selbstbetitelten Album, welches 2018 in einer abgelegenen Waldhütte aufgenommen wurde. Im Dunstkreis von Psychedelic-, Stoner- und Bluesrock wissen sie sich mit Harvest Feast, 3-5-7 oder Diamond in schleppend, aber dennoch treibender Manier ihre Songs in die Ekstase anzukurbeln.

Als Zuschauer wird man langsam von einer Dampfwalze von Gitarren- und Basssound überrollt. Mit Alabaster, Fishbelly 86 Onions oder When God Comes Back zeigt sich die Band auch von einer düsteren, rasanten und wütenden Seite. Das Publikum zollt ihnen nach jedem Stück mit frenetischem Applaus. Als Verabschiedung gibt es für das Mascotte eine fünfzehnminütige und ausgejamte Version von Blood And Sand / Milk And Endless Waters. All Them Witches haben kompromisslos bewiesen, dass sie momentan zu den spannendsten Psychedelic-Acts ihrer Zeit gehören.

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