Ein grandioser Metal-Abend ohne Metall

Five Finger Death Punch spielten im Zürcher Hallenstadion. Der Einstieg in den Abend erwies sich als holprig.

Der Start in den Konzertabend von Five Finger Death Punch hätte besser sein können. Es wurde bereits im Vorfeld vor längere Wartezeiten beim Security-Check gewarnt, was bei amerikanischen Bands zu erwarten ist.

Jedoch ging dabei wohl ein kleines, aber entscheidendes Detail für ein Metal-Konzert unter: Keine Nieten, keine Ketten, keine gar nix. Sogar die metallischen Ketten von Portemonnaies oder Handtaschen mussten abgegeben werden. Ein grosses Fragezeichen hatte die nicht so grossartig gut gelaunte Security-Dame bei mir: Meine Schuhe haben nämlich Nieten und ja die sind fix. Ich durfte dann trotzdem rein – mit den gemeingefährlichen Schuhen, versteht sich. Wie viele Leute die Hosen wegen Gürtel-Verlust auf Halbmast trugen, ist der Redaktion unbekannt.

Bad Wolves mit erschreckender Story

Immerhin sorgte dies, bis zum pünktlichen Start von Bad Wolves, für genug Gesprächsstoff. Die im 2017 gegründete junge Band ging auf der grossen Bühne optisch zwar etwas unter, jedoch fand ich die Mucke sowie ihre Performance echt geil. Insbesondere der Schlagzeuger mit seiner verhältnismässig kleinen Küche, hämmerte drauf los, was das Zeugs hielt.

Bad Wolves im Hallenstadion
Bad Wolves. Bild: Michelle Brügger

So rissen die fünf Musiker das bereits gut gefüllte Hallenstadion extrem schnell mit. Die Wall of Death liess nicht lange warten und auch der Aufruf für das Promovideo in die Hocke zu gehen und wieder aufzuspringen, befolgten die meisten Zuschauer brav. Dafür wurde im Gegenzug der Wunsch aus dem Publikum, der über ein hochgehaltenes Plakat mit den Worten Drumsticks for my girlfriend kund getan wurde, von der Band erfüllt.

Weniger schön war die Story von Sänger, Tommy Vext. Er hielt gegen Ende der Show ein Bild der Schwester seiner Freundin hoch und erzählte, dass er gestern einen Anruf erhalten hätte. Sie sei von ihrem Exfreund ermordet worden. Es folgte ein Aufruf gegen häusliche Gewalt, mit welchem sie noch ein paar Sympathiepunkte sammelten. Aus guten Gründen wurden Bad Wolves bei ihrem letzten Coversong Zombie von der Meute gefeiert.

Megadeth mit positiver Überraschung

Als nächstes standen Megadeth auf dem Programm. Die Band ist älter als ich und darum darf ich vielleicht sagen: Urgesteine in der Metal-Geschichte; von denen ich überhaupt keinen Plan hatte ausser, dass sie zu den Big Four des Trash Metals gehören. Ich erwartete vielleicht nicht gerade das Schlimmste, aber doch nichts Gutes und wurde überrascht!

Der Sound war zum Teil echt groovig und abwechslungsreich. Von den Gesichtern der Herren sah man die meiste Zeit nur ihren Vorhang aus Haaren, da sie die meiste Zeit mit dem Kopf nach unten am bangen waren. Definitiv Hut ab, vor jemandem, der so lange mit noch so viel Leidenschaft und Power spielt. Gerade dem Sänger, der vor kurzer Zeit dem Krebs den Kampf ansagen musste und ihn besiegt hat, merkte man an, dass er aus solchen Auftritten Energie zieht. Das bestätigten auch seine dankenden Worte.

Five Finger Death Punch mit der perfekten Show

Nach den beiden perfekten Vorbands war es Zeit für den perfekten Hauptact. Als Five Finger Death Punch die Bühne stürmten, sah man vor der Tribüne herab ein riesiges Hände-Meer. Zu Lift me up waren bereits die meisten Pfoten oben und je länger das Konzert dauerte, desto noch grösser war die Publikumsbeteiligung. So nutzen die Surfer die Gunst der Stunde und machten sich über die Crowd auf den Weg in Richtung Bühne und die Crash-Test-Dummies moshten wild durcheinander – letztere sogar beim Drumsolo, was ja doch eher aussergewöhnlich ist.

Five Finger Death Punch im Hallenstadion.
Five Finger Death Punch. Bild: Michelle Brügger

Auch auf der Tribüne wurde getanzt und einige Mädels hielten sogar Fan-Fahnen hoch. Ganz zu Freuden von Sänger Moody, der den Frauen mit einem riesen Smile zuwinkte. Auch er brachte aufs Neue extrem viel Energie mit und lieferte eine grandiose Show. Er ist vielleicht nicht der beste Sänger, eine geile Stimme und Bühnenpräsenz hat er aber allemal. Zusammen mit den Instrumentalisten, welche es echt drauf haben, ein grandioses Ensemble.

Moody meinte, er käme gerne in die Schweiz und er sehe, dass die Menge an Zuschauer stetig zunähme. Ob das wohl mit ein Grund war, dass Moody sich gleich zwei immernoch schmerzende Schweizer Tattoos stechen liess, wie er behauptete? Wie jeden Abend vergab er auch einen Baseballschläger, an den Fan, der aus seiner Sicht am meisten Freude zeigte und vor allem nicht die ganze Zeit hinter einem Phone die Show verfolgte: Ein Elfjähriger machte das Rennen. So demonstrierte er witzigerweise auch, wie es aussehen würde, wenn er die ganze Zeit mit dem Gesicht hinter dem Mobile singen würde.

Allen anderen blieb nichts weiter übrig, als die beiden riesigen Schläger, welche hinter dem noch riesigeren Totenschädel an der Decke hingen, zu bestaunen. Das Bühnenbild passte bestens zu Five Finger und wer auf Glitzerregen und Pyro steht, kam an diesem Abend kaum zu kurz. Eine echt bombastisch perfekte Show, bei der niemand Angst haben musste, dass ein Schuh mit Nieten nach vorne geworfen wird.

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