Neue Musik braucht das Land

So war das Radar Festival 2019

Bild: Evelyn Kutschera
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Nach einem erfolgreichen Start im letzten Jahr, konnte dieses Jahr das Radar Festival in Zürich zum zweiten Mal durchgeführt werden. Unter dem Moto «Festival for new music» öffneten viele Clubs entlang der Langstrasse ihre Türen für Konzerte in kleinem Rahmen.

Was als Festival für neugierige Freunde der Livemusik ins Leben gerufen wurde, fand dermassen Anklang, dass in beiden Jahren jeweils kurz vor Festivalbeginn ein «Ausverkauft» verkündet werden konnte. Dementsprechend oft mussten auch dieses Jahr die Sicherheitsleute an den Türen der verschiedenen Clubs auf ihre klickenden Zählhilfen drücken und hier und da den Einlass in die Locations kurzzeitig stoppen.

Bereits zum Auftakt im Kosmos, wo auch die Zentrale des Festivals eingerichtet war, fanden sich schon früh eine Menge neugierige Musikfans ein, die dem Auftritt von Priya Ragu beiwohnten. Die St. Gallerin mit Wurzeln aus Sri Lanka feuerte mit ihrem Bruder an den Turntables und zwei Backgroundsängerinnen dem Publikum bereits gehörig ein. Anfängliche technische Probleme mit Geduld überstanden, spielte sich die Band durch ihr souliges Repertoire. Mit engelsgleicher Stimme und fetten Beats, die die Wände vibrieren liessen, konnte das Radar Festival in einen langen Konzertmarathon starten.

Ready, set, go!

Marathon ist hierbei genau das richtige Stichwort: 33 Bands in neun verschiedenen Locations. In Showcases, die maximal 45 Minuten dauern und zwangsläufig viele parallel spielende, interessante Acts. Gute Laufschuhe und ein vorgängig gefasster Plan was man denn auf gar keinen Fall verpassen will, waren Gold wert.

Bild: Evelyn Kutschera

So zog es uns zunächst zu Messina in die Zukunft. Also zur Band aus Winterthur und in den berüchtigten Club, nicht etwa in die italienische Stadt zu einem späteren zeitlichen Augenblick. Das Quartett überzeugte mit solide vorgetragenem Indie-Rock, von welchem mir zwei Dinge besonders Eindruck machten. Zum einen die spezielle Stimme von Sänger Raphael Weidmann, die stellenweise an Paolo Nutini erinnerte. Zum anderen blieb die funky Nummer YBTR sofort im Ohr. Ein Lied, das auf ihrer ersten EP For The Show zu finden ist.

Raphael Weidmann von Messina. Bild: Evelyn Kutschera

Einem anderen Schweizer Künstler, der Ohrwürmer nur so aus dem Ärmel zu schütteln scheint, konnte man an diesem Abend in der Amboss Rampe lauschen. Reto Kaufmann oder einfach nur Kaufmann hat auf seinem Debütalbum König vu dr Nacht mit Uf und ab und Lisa gleich zwei Lieder in petto, die einem zuerst ein Lächeln ins Gesicht drücken und dann im Unterbewusstsein noch lange weiter gesungen werden. Für Lisa wurde er sogar mit dem Bündner Music Award zum Song des Jahres 2018 geadelt. Zurecht. Und auch als Live-Act zusammen mit seiner Band machte er einen sympathischen Eindruck.

Reto Kaufmann mit Band in der Amboss Rampe. Bild: Evelyn Kutschera

Geschwisterband zum Ersten

Blond ist eine Band aus Chemnitz bestehend aus dem blinden Multiinstrumentalisten Johann Bonitz und den Schwestern Lotta und Nina Kummer. Kummer aus Chemnitz, läutet es schon? Spätestens wenn man sie sieht, ist klar, dass das die beiden Schwestern von den Kummer-Brüdern bei Kraftklub sind. Ähnlich wie Kraftklub findet die Band schnell einen Draht zu seinem Publikum.

Blond im vollen Gonzo Club. Bild: Evelyn Kutschera

Die etwas schrägen Outfits des Trios (Prinzessinnen-Kleid für die Mädels, durchsichtiges Glitzer-Netzhemd für den Herrn) wurden damit entschuldigt, dass sie auf der langen Fahrt nach Zürich überfallen wurden und das anziehen mussten, was die Banditen ihnen übrig liessen, normalerweise würden sie sich ja viel schicker machen. In Banditen-Klamotte und mit pumpendem Beat brachte das Trio ihren selbsternannten Las-Vegas-Glamour dem Publikum näher und bald wurde im vollen Gonzo Kellerklub das Tanzbein geschwungen.

Das erste Highlight

So richtig gepackt hat mich die Musik aber erst bei der schottischen Band Lucia. Das Quartett aus Glasgow hat bisher zwei EPs und mehrere Singles zu Tage gefördert, die mir bis dato komplett unbekannt waren aber nun direkt auf meiner Playlist landeten. Danke dafür, Radar Festival! Ein bisschen Post-Punk, ein bisschen Bubblegum-Pop aber volle Riot-Grrrl-Power, die uns die coole Frontfrau Lucia Fairfull zusammen mit ihren Jungs einverleibte.

Lucia Fairfull gab alles. Bild: Evelyn Kutschera

Gerne hätte ich noch etwas mehr diese Band bejubelt, aber so viele andere Bands wollten an diesem Abend noch gesehen werden. Also machten wir uns wieder auf den Weg von der leicht abschüssig liegenden Amboss Rampe zurück an die Langstrasse, lange bevor der Gig zu Ende war. Oder so kam es meinem wehmütigen Herzen wenigstens vor.

Viel Energie: Lucia am Radar Festival. Bild: Evelyn Kutschera

Aber keine Zeit zum Trübsaal blasen. Lady Bird aus Kent heizte als nächstes im Gonzo ein. So richtig mit Mosh-Pit und verschwitzten Oberkörpern vor und auf der Bühne. Eben so, wie sich das für eine junge, aufstrebende Punkband gehört. Schnell gespielte Riffs, Sprechgesang und stellenweise eingesetzte Orgelklänge machen das raffinierte Potpourri des Trios zu einem wilden Stilmix, der stets dem Oberbegriff Punk zuzuordnen ist.

Richtig heiss wurde es bei Lady Bird im Gonzo. Bild: Evelyn Kutschera

Wer es lieber weniger hektisch mag und nicht so auf Kollektivschwitzen im Keller steht, der findet sein Glück vielleicht im ehemaligen Pornokino Roland. Zeitgleich performte dort nämlich der irische Rapper Kojaque. Mit seinem Hip-Hop-Projekt vermochte Kevin Smith, wie Kojaque im bürgerlichen Leben heisst, zwar nicht all zu viele Leute anzulocken doch war die Atmosphäre im Saal sehr gemächlich und man lauschte gerne seinen Ausführungen über die Dubliner Arbeiterklasse.

Kojaque war eher gemütlich unterwegs. Bild: Evelyn Kutschera

Geschwisterband zum Zweiten

Viel mehr Leute waren dann beim Auftritt von Ten Tonnes in der Amboss Rampe, was mich überhaupt nicht erstaunte. Denn zugegebenermassen habe auch ich diesen jungen Herren durchs Mainstream Radio entdeckt. Seine Singles Lay It On Me und G.I.V.E. waren also schon des Öfteren Hintergrundmusik auf der Arbeit. Und ausserdem hat auch Ethan Barnett, wie Ten Tonnes richtig heisst, einen älteren Bruder, der es im Showbiz schon weit gebracht hat: George Ezra.

Bild: Evelyn Kutschera

Auch hier lässt sich eine äusserliche Ähnlichkeit nicht von der Hand weisen und lockt wie beim grossen Bruder sehr viele weibliche Zuhörerinnen ins Publikum. Und auch das musikalische Talent scheint den beiden eingeimpft worden zu sein. Ten Tonnes überzeugte mit seinem Auftritt auf ganzer Linie und wird zusammen mit seiner Band wohl auch bald bei uns grössere Clubs füllen.

Ten Tonnes ist der kleine Bruder von George Ezra. Bild: Evelyn Kutschera

Und dann trennten sich die Wege von des Negative-White-Teams zum ersten und einzigen Mal am Abend. Während Fotografin Evelyn Jugo Ürdens, den «schönsten Rapper Österreichs», im Kino Roland fotografieren ging, brauchte ich eine Dosis schreddernde Gitarren. Wieder in den Tiefen des Gonzos, wo mit dem grungy Garage-Rock von Fangclub genau dies geboten wurde.

Jugo Ürdens, der «schönste Rapper Österreichs». Bild: Evelyn Kutschera

Erst wenige Tage vor dem Festival als Ersatz für die frisch aufgelösten Estrons engagiert, waren Fangclub ehrlich gesagt die Band, auf die ich mich am meisten freute. Und ich wurde nicht enttäuscht. Zwar könnte man den Auftritt des Dubliner Trios als ein wenig eindimensional bezeichnen, aber was soll ich sagen: Ich bin zufrieden, wenn der Sound mich überfährt wie ein Zug und ich dazu meine Mähne im Takt schütteln kann. Als besonderes Highlight zu vermerken: Während Bassist Kevin Keane von der Bühne stürmte, um sich Backstage eine neue Saite für sein Instrument zu holen, wurde kurzerhand von Sänger und Gitarrist Steven King und Schlagzeuger Dara Coleman Suspicious Minds gecovert. Yeah, shred on, mates!

Band mit Potenzial

Als Negative-White-Team wieder vereint, machten wir uns zum gefühlt hundertsten Mal auf den Weg in die Amboss Rampe. Boy Azooga lud zur Tanzparty, und die wollte anscheinend niemand verpassen. Dicht an dicht bis ganz nach hinten standen die Leute, während vorne wild getanzt und gesprungen wurde.

Boy Azooga wird bald in der obersten Indie-Rock-Liga spielen. Bild: Evelyn Kutschera

Die Band aus Cardiff schafft es auf ihrem Debütalbum 1, 2, Kung Fu! Indie-Rock mit wunderbar poppigen Melodien zu paaren, die eine Leichtfüssigkeit an den Tag legt, die man stillstehend kaum über sich ergehen lassen kann. Zwar erst vor zwei Jahren von Frontmann Davey Newington ins Leben gerufen, wurde die Band bereits mit dem Welsh Music Prize für ihr Album ausgezeichnet. Es wird wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Boy Azooga in der obersten Klasse des Indie-Rocks mitmischen wird.

Vor zwei Jahren wurde Boy Azooga von Davey Newington gegründet. Bild: Evelyn Kutschera

Erschöpft von einem strengen Konzertmarathon aber reich an vielen neuen Eindrücken, machten wir uns danach auf den Nachhauseweg. Das Radar Festival machte seinem Namen alle Ehre. Den Vorsatz dem Publikum neue Musik näher zu bringen, und Bands in kleinem Rahmen zu präsentieren, bevor sie die grossen Hallen füllen, wurde Folge geleistet. Mit einer riesigen Bandbreite an Genres war sicher für jeden Besucher etwas dabei. Schön, dass es ein solches Club-Festival gibt.

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