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Laibach

30. März · 20:30 - 23:30

Am 30. März kommt eine der provokantesten Bands Europas nach Winterthur: Laibach spielen mit ihrem neuen Album «The Sound of Music» im Gaswerk.

Zum Glück brachte der Kalte Krieg nicht nur ein gespaltenes Europa und überdimensionale Betonskulpturen hervor. Diese raue Atmosphäre des Misstrauens und ewigen Konkurrenzkampfs bildete scheinbar auch einen äusserst fruchtbaren Boden für musikalische Experimente und kreative Abweichungen. So gehören Laibach, 1980 im damals jugoslawischen Trbovlje im heutigen Slowenien gegründet, wohl zu den international erfolgreichsten und gleichzeitig kontroversesten osteuropäischen Musikern jener eisigen Ära. Unter anderem prägte die Ausnahmeband auch den musikalischen Zweig des interdisziplinären Kunstkollektivs Neue Slowenische Kunst (NSK).

All art is subject to political manipulation […], except for that which speaks the language of this same manipulation.

Doch künstlerische Rebellion sieht für die in einer sowjetischen Diktatur aufgewachsenen Mitglieder leicht anders aus, als die westlich geprägte Welt vermuten konnte. Statt offensichtlich Grenzen zu durchbrechen, politische Texte zu schreiben, gegen das Regime zu schreien und brüllen, zelebrieren Laibach den Totalitarismus in jedem ihrer Auftritte, ihrer Attitüde und auch in der Auswahl ihrer Songs, nicht zuletzt den martialisch umgesetzten Coverversionen bekannter Mainstream-Hits. Ganz nach dem Motto: «All art is subject to political manipulation […], except for that which speaks the language of this same manipulation.» Manch einer bekommt deshalb an Konzerten oder bei den nur äusserst selten gegebenen Interviews ein deutlich mulmiges Gefühl – «Was sind denn das für Nazispaken? Meinen die das etwa ernst?»

Was sie bereits in ihren Entstehungsjahren geschafft haben, gelingt ihnen auch heute noch: Möglichst weit weg vom Mittelmass, von der gesellschaftlichen Komfortzone, hochtypisiert, inszeniert und kantig spalten sie das Publikum schnell in zwei Gruppen – jene, die unverständlich, beschämt, entrüstet den Kopf schütteln, und jene, die erkennen und vor allem auch würdigen, dass hier nicht nur seichtes Popgedudel oder banales Punkrockgeschrammel geboten wird, sondern echte Provokation, mit dem Finger immer schön in der tiefsitzenden europäischen Wunde.

Laibach haben sich in ihrer gesamten Laufbahn immer durch ironische Politik-, Wirtschafts- und Kulturkritik ausgezeichnet. Doch nicht nur die Nähe zur Nazi-Kunst sorgt immer wieder für politische Debatten, auch deren provokante Bezüge zur Avantgarde, zum sozialistischen Realismus und die auf die Spitze getriebene Darstellung der De-Individualisierung durch anonym wirkende, in faschistoid wirkender Uniform gekleidete Musiker. Die kollektive Schöpfung spielt jedoch tatsächlich eine wichtige Rolle, medienüberschreitend und jenseits individueller Urheberschaft präsentiert die Band ihre Werke. So besteht das Quartett auch seit jeher aus denselben Mitgliedern – Eber, Saliger, Dachauer und Keller – auch wenn die realen Personen hinter diesen Pseudonymen mehrfach ausgewechselt wurden.

Musikalisch lassen sie sich wohl am ehesten mit Rammstein in einen Genretopf schmeissen – auch wenn dieser Vergleich, wenn auch vielzitiert, immer wieder zu Diskussionen geführt hat. Geboren aus dem Post Rock und Post Industrial der frühen 80er erschufen sie den sogenannten Militant Classicism mit, der über die Jahre durch elektronische Beimischungen und Annäherungen an Pop- und Disco-Sounds immer zugänglicher wurde. Auf ihrer jüngsten Platte The Sound of Music, findet man dann aber doch auch neue Töne, ganz ohne Martial Industrial, düstere Wave- und Synth-Sounds, Neoklassik, Dark Ambient und besonders auch kein militärischer Technomarsch mehr, dafür allerlei kurzweilige Popmusik – und als besonderes Schmankerl: interpretierte Volkslieder aus Nordkorea.

 

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