So viel Religion steckt in Nick Caves neuem Albumcover

Eine Analyse

Drei Jahre nach dem Album «Skeleton Tree» mit seinem schwarzen Titelbild bringt Nick Cave ein neues Studioalbum heraus. Bislang kennen die Fans davon nur das Cover. Und das ist ein wahrer Kontrast zum Vorgänger.

Er hatte das schon immer. Dieses überzeichnet Metaphorische, die religiösen Anspielungen, ja, die direkten Referenzen an seine eigene Spiritualität. Nick Caves Über-Song Into my Arms beginnt mit den Worten, er glaube nicht an einen intervenierenden Gott. Indem er das Lied als Gebet formuliert, unterstreicht er, dass er dabei sehr wohl an einen Gott glaubt, aber nicht unbedingt an ein striktes Konzept um ebendiesen herum.

Wer Nick Cave schon live gesehen hat, kommt auch nicht umhin, seinen Shows eine pulsierende Spiritualität zuzumessen. Der Sänger gehabt sich auf der Bühne als Prophet, zumindest, wenn nicht gar als Messias-Inkarnation. Natürlich: Ein Schauspiel. Und damit eine Metapher – noch eine. Aber eben zugleich auch ein Blick in die wahre Seelenwelt und Spiritualität dieser scheinbar unnahbaren, mysteriösen Figur namens Cave.

Mal Christ, mal Nicht-Christ

In Interviews hat er sich schon als Christ bezeichnet. Und auch als Nicht-Christ. Er hat sich stets von Religion distanziert, aber meist festgehalten, dass seine Musik eine göttliche Note haben soll. Und dass er an Gott selber glaube, trotz Religion.

Nick Cave

Und hier kommt nun Ghosteen, das neue Album, ins Spiel, das noch kaum jemand gehört hat, dessen Kunstwort im Titel noch gänzlich uninterpretierbar ist, dessen Cover aber bereits omnipräsent durchs Internet geistert. Bis in der Nacht auf den 4. Oktober muss man sich mit Orakeln über die neue Musik begnügen. Und mit diesem Albumcover.

Der Heilige Geist

Doch damit schenkt der Rock-Prophet seinen Fans bereits einen Reigen der Metaphorik und der möglichen Interpretation. Ein Teil davon ist offensichtlich. Etwa die Taube, die aus dem Licht fliegt – ein Symbol für den Heiligen Geist, der anfangs des Neuen Testaments auf den Messias kommt.

Paradies und Messias

Dann sind da im Zentrum der Löwe und das Lamm, die in der Kombination das Paradies, also den absoluten Frieden unter den Geschöpfen, symbolisieren. Einzeln ist das Lamm indes ein Bild für den Messias – und dass die Taube dem Lichtstrahl entlang just in dessen Richtung fliegt, dürfte kein Zufall sein. Der Löwe symbolisiert in der Bibel das Königtum, steht im Neuen Testament aber auch für Jesus selber.

Unreinheit und Gericht

Etwas komplexer sind andere Tiere auf diesem Bild. Der Reiher etwa, der gen Himmel wegflattert, wird von Moses als unreines Tier bezeichnet. Weisse Pferde kommen am anderen Bibelende vor – als Tiere, die das Gericht über die Menschheit und die Reinheit zurück in die Welt bringen. Ein nettes kleines Schauspiel, das sich im Hintergrund des Bildes also abspielt: Die Reinheit galoppiert ins Bild, die Unreinheit fliegt davon. Ein Reiher bleibt allerdings übrig – am Rande des Wassers. Eine perfekte Welt ist nicht gänzlich rein – zumindest nicht in der Vorstellung von Nick Cave.

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Unsterblichkeit und Reformation

Bis aufs Flamingo, den Kolibri und die Papageien lassen sich im Grunde auch die anderen Tiere christlich verorten. Affen und Leoparden kommen als Geschenke in der Zeit der Israelischen Könige vor. Pfau und Schwan bleiben zwar in der Bibel unerwähnt, doch der Pfau hat sich schon früh als christliches Symbol für die Unsterblichkeit etabliert. Der Schwan indes steht für Martin Luther und der wiederum für die Reformation des Christentums.

Der Fisch und der Schmetterling

Den Schmetterling orten gewisse Theologen ebenfalls in der Bibel – und zwar in seiner Raupenform im Buch Jona. Dort wird er zwar als Wurm bezeichnet, doch zoologische Unzulänglichkeiten sind im Buch der Bücher Gang und Gäbe. Der Wurm macht Jonas Rebe kaputt, die den Propheten vor der Sonne schützt. Würmer tun sowas nicht. Raupen schon. Ob die Schmetterlinge auf dem Cave-Cover eine vergleichbare Funktion haben, ist fraglich.

Schliesslich bleibt der Fisch im Bach. Das Symbol für die Christenheit in ihrer Gesamtheit. Das Lamm, also der Messias, wacht darüber. Das Pferd, also das Gericht, trinkt ihm das Wasser weg. Und der Reiher, also das Böse, pickt ihn aus dem Teich raus.

Was auf den ersten Blick nach märchenhaftem Wimmelbild ausschaut, steckt voller Symbolik. Einiges davon zweifellos gewollt, anderes hier völlig überinterpretiert. Nick Cave selber wird die präzise Absicht hinter dem Bild wohl niemals aufschlüsseln. Die Hoffnung ruht also auf den neuen Songs.

Ghosteen
Einige Details sind bereits bekannt zu Nick Caves neuem Album. So besteht es aus elf Songs, die er in zwei Teile splitten will. Teil eins umfasst acht Lieder, die er als Kinder bezeichnet. Teil zwei sind dann deren Eltern – einer jener Tracks ist ein rein gesprochener. Nick Cave versteht das Album als Schluss einer Trilogie, bestehend aus Push the Sky away (2013), The Skeleton Tree (2016) und eben dem kommenden Ghosteen. Hier sind zudem die Lyrics eines der neuen Songs namens Fireflies bereits publiziert worden.

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