Moralpredigt bei Disturbed

Bild: Francesco Tancredi

Statt zur Ostermesse kann man auch einfach zu Disturbed gehen. Denn auch hier werden Moral und gute Werte hochgehalten. Dass die Mucke aber besser ist, versteht sich von selbst, oder?

Ufff. So eine lange Schlange habe ich schon seit einer Weile nicht mehr gesehen. Zum Glück fertigten die Securitys die Menge vor der Halle 622 zügig ab und ich verpasste wohl nur gerade den ersten Song von Skindred. Crazy Benji Webbe hatte sich offensichtlich in dieser kurzen Zeit schon warm gesungen und war zusammen mit dem Publikum bereits am Durchdrehen. «Hey, macht mal auf der linken Seite Lärm! Fuck you!» Das war ihm wohl zu wenig. «Und jetzt auf dieser Seite! Yeah, ihr seid geil!» Das war echt lauter. «Und nochmals die andere! Wow! Ok, dann fuck you auf der rechten Seite!»

Bei Skindred weiss man einfach, was man erhält. Das wussten Disturbed bestimmt auch, als sie die vorlaute, fünfköpfige Truppe als Vorband engagierten. Benji Webbe macht, wann immer es geht, möglichst viel Dampf und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Auch an diesem Abend getraute sich kaum einer nicht mitzumachen. Seine Postur und Präsenz machen einfach Eindruck. Der feurige Mix aus Reggae, Metal, Punk und Hip-Hop-Rhythmen würden zwar auch ohne grosses Zutun in die Tanzbeine gehen, aber mit ein paar fiesen Sprüchen macht es halt doch mehr Spass. Und so war die Halle nach dem Auftritt von Skindred extrem aufgeheizt und die Besucher bereit für mehr.

Alle stoned oder was?

Bei Disturbed ging es nur halb so wild zu und her. So fragte dann Sänger David Draiman auch, ob er vielleicht falsch informiert worden sei, dass Gras in der Schweiz illegal wäre. Oder wieso denn alle so stoned rumstehen? Tatsächlich wurde an diesem Abend, im Vergleich zum letzten Disturbed-Konzert in der Halle 622, bei dem man vor lauter Qualm kaum mehr atmen konnte, kaum mehr geraucht. Die Security stand parat und mahnten die paar wenigen Möchtegernrebellen, welche sich eine Kippe anzünden wollten, schnellstens ab. Dankeschön!

Mehr Energie für alle, auch Sedierte

Zurück zur Moralpredigt von Draiman: Die hatte nämlich noch mehr Inhalt. Neben der Erinnerung, dass auch die hinteren Plätze zur Show dazu gehören würden, meinte er auch, dass wir uns an Dinge halten sollen, welche uns zusammen bringen. Das Internet brächte genug Leute auseinander. «Ein Rockkonzert wie dieses hingegen bringe Leute zusammen. Wir glauben an die Heilkraft Rock’n’Roll! Hier wird jeder akzeptiert, auch wenn ihr sediert und ruhig seid. Und eines ist klar, wenn ihr hier rausgeht, werdet ihr mehr Energie spüren!»

Sehr beeindruckend war auch das Experiment, zu dem Draiman aufrief. Wer bereits einmal mit den Dämonen von Sucht oder Depression gekämpft habe, solle die Hände heben. Geschätzt hoben mindestens 60 Prozent der Besucher*innen die Hand. So wollte er von allen auch das Versprechen, dass, wenn Freunde oder Familienmitglieder von solchen Dämonen heimgesucht werden, sie alles Mögliche unternehmen sollen, damit es nicht zur Endstation Suizid komme wie bei vielen von seinen Künstlerkollegen.

Allgemein hatte ich den Eindruck, dass Disturbed als Band hervorragend harmonierten und Spass am Spielen hatten. Total süss war Draiman auch, als er den zehnjährigen Jungen mit seiner Mutter auf die Bühne einlud. Der wusste zwar nicht so recht, was ihm gerade geschieht, aber konnte dank Draimans herzlicher Art doch relativ entspannt auf der Bühne vor dem ausverkauften Saal stehen und seine paar Fragen beantworten.

Auch wenn nicht allzu viel Rumgehopse und Gepose auf der Bühne stattfand, die Show hatte gerade auch wegen diesen Aussagen und der authentischen Art der Band total viel positive Energie und ging nahe. Und auch über die Songauswahl spielten Disturbed elegant mit den Gefühlen des Publikums. So boten sie einen wunderbaren Mix aus alten und neuen aber auch aus schnellen Krachern und Balladen, wobei – wie zu erwarten – das Cover Sound of Silence ein Kreischkonzert und Down with the Sickness am meisten Jubel auslöste. Zum Gesang und der instrumentalen Leistung kann man nur sagen: 1A.

Das Ganze wurde untermalt vom Videoscreen, auf dem man abwechslungsweise mal Live-Bilder mit teilweise echt coolen Filtern, bei denen die einzelnen Bandmitglieder zum Beispiel eine Flamme hinter sich her zogen, und dann wieder Fotos und Videoaufnahmen der Band sowie Zeichentrickclips sah. Einfach stimmig! Disturbed sind offensichtlich auch nach gut 25 Jahren Bandgeschichte immer noch ein Besuch wert.

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