Bild: Nadine Shaabana

Streaming-Fake: Wie wichtig sind die Zahlen eigentlich?

Eine Kurzanalyse

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In Deutschland geht gerade eine investigative Recherche zu gekauften und gefälschten Streaming-Zahlen viral. Doch welche Bedeutung haben die Zahlen überhaupt? Eine kurze Analyse.

Mit einer Recherche zu Fake-Streams hat der YouTube-Kanal «Y-Kollektiv», das zur funk-Gruppe von ARD und ZDF gehört, mächtig Staub in der Deutschrap-Szene aufgewirbelt. Es zeigt, wie offenbar systematisch Streams mit dubiosen Methoden und viel Geld in die Höhe getrieben werden.

Natürlich sind die Methoden, Streams, Likes oder Kommentare zu kaufen, alles andere als legal. Während es für die Social-Media-Plattformen aber bereits recht zuverlässige Tools gibt, Fakes nachzuweisen, ist es bei Spotify doch erheblich schwieriger. Es braucht dazu praktisch eine manuelle 1:1-Überwachung der Zahlen, aber selbst dann hat man keine handfesten Beweise.

Kai, so heisst der Informant im Video, verspricht grossen Erfolg für gerade mal 50’000 Euro. Tatsächlich ist es relativ einfach, 100’000 Streams für etwa 6000 Euro zu kaufen. Rein finanziell lohnt sich das bei den tiefen Streaming-Einnahmen für den Künstler natürlich nicht. Die Hoffnung ist: Hat man erst viele Streams, ist es wahrscheinlicher, in weitere grosse Playlists reinzukommen und so eventuell doch noch Geld zu verdienen. Die digitale Popularität kann auch auf die «alte Welt» abfärben: Auf den Charteinstieg folgen die Einnahmen aus dem Radio-Airplay.

Reporter Ilhan Coskun im Gespräch mit dem Informaten Kai. Bild: Screenshot YouTube

Datentransparenz wäre die Lösung

Also ist das Kaufen von Streams ein todsicheres Rezept? Keineswegs, meinen mehrere Personen aus der Musikbranche auf Anfrage. Denn auch hier gelte: Die grösste Einnahmequelle blieben die Konzerte.

Ehrlicherweise muss man sagen: Die meisten Cloud Rapper, die in Deutschland gerade alle Rekorde brechen, bewegten sich künstlerisch aber maximal im Mittelmass punkto Bühnenperformance. Da wird nicht viel geboten, abgesehen von viel Computer-generierter Musik und Auto-Tune. Die Booker schauen aber auf ebendiese Qualitäten. Fake-Streams, Fake-Follower, sie füllen keine Konzerthallen. Und die Musikbranche ist klein; solche Dinge sprechen sich schnell rum.

Ein Schweizer Promoter meint gegenüber Negative White, dass Spotify die aktuelle Debatte ohne Statement aussitzen werde: «Was etwas bringen würde, wäre Datentransparenz. Wenn man die Streams auch in die Vergangenheit öffentlich und genau nachverfolgen könnte.» Doch das wäre dem Geschäftsmodell von Spotify alles andere als zuträglich.

Fake-Streams sind nicht nachhaltig

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Tatsache ist: Chartmanipulationen gab es und wird es weiterhin geben. Noch heute ist es ein Leichtes, mit CDs die Charts zu beeinflussen. Dafür gibt man bloss 1000 Alben bei einem Händler in den Verkauf und kauft sie dann wieder selber auf. Das reicht in der Schweiz bereits – und ist vollkommen legal.

Fake-Streams sind keine Neuheit. Das Video des «Y-Kollektivs» verschafft diesem «dirty little secret» des Musikbusiness’ aber erstmals eine breitere Öffentlichkeit. Natürlich ist ein solches Verhalten verwerflich. Allerdings gilt nach wie vor: Einen kurzfristigen Hype kann man sich zwar erkaufen, aber nachhaltiger Erfolg bleibt dem Talent vorbehalten.

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